Aktuelle Kritiken aus Salzburg und Bayreuth

Salzburger Festspiele: Liederabend 7. August 2015

Kulman singt statt Garanča: Ein Liederabend von Festspielformat

Elisabeth Kulmann springt für Elina Garanča ein und gestaltete mit Eduard Kutrowatz einen klug programmierten Liederabend, intim mit Liebe und Nacht, Tod und Traum.
Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz gestalteten im sogenannten „Haus für Mozart“ einen hinreißenden Liederabend, der unter anderem auch einer Ehrenrettung Franz Liszts gleichkam.
Die beiden Künstler setzen sich ja seit Jahren für die Musik des notorisch falsch und vor allem unterbewerteten Romantikers ein – und konnten dies nun, einspringenderweise an Stelle von Elina Garanča, sozusagen auf höchster Ebene tun.
Zwar wollte das Salzburger Publikum die ganz offensichtliche Dramaturgie von zwei pausenlos ablaufenden Sinneinheiten nicht mittragen und applaudierte begeistert mitten in die inhaltlich klug verschränkten Lied-Gedankenblöcke.
Aber andererseits: Die Kunst der Kulman, endlose, fast unhörbare, doch stets konsistente Pianissimo-Phrasen zu modellieren, fordert anerkennende Begeisterung ja tatsächlich heraus: Dass nach Schuberts ätherisch gehauchtem „Wiegenlied“ und der darauf folgenden spontanen Jubelunterbrechung der Faden sogleich wieder aufgenommen war, sprach wiederum für die Konzentrationsfähigkeit der Zuhörer; von jener der beiden vollkommen aufeinander eingespielten Künstler ganz zu schweigen …

Franz Liszts Zukunftsvisionen
Liszt-Lieder in verschiedenen Sprachen standen im ersten Teil des Abends dreien von Wagners „Wesendonck-Liedern“ gegenüber, „Tristan“-Studien, die – das war sozusagen die musikhistorische Botschaft des Programms – quasi nahtlos aus Liszts kühnen, harmonischen Funden herauszuwachsen scheinen.
Nach der Pause dann Ausschnitte aus Schumanns „Frauenliebe und -leben“, verschränkt mit „Glückes genug“ aus den „Kinderszenen“, inhaltlich subtil die Erzählung weiterführend, wiederum Liszt, zuletzt Schubert. Romantik in dreierlei Gestalt, Liebessehnsucht, Todesbeschwörungen gespenstischer („Geistertanz“), dramatisch-abgründiger („Der Zwerg“) und metaphysischer Art („Der Tod und das Mädchen“).
Die Wandlungsfähigkeit der Kulman ist faszinierend: Rede und Gegenrede setzt sie farblich deutlich voneinander ab, Gefühlsausbrüche bringt sie – introvertiert wie extrovertiert – anrührend zum Klingen; Seufzer und Tränen, Realistisches wie ironische Brechung. Und doch hat ihre Liedkunst nichts Artifizielles, sondern wirkt natürlich und schlicht, wie übrigens auch das Klavierspiel von Eduard Kutrowatz, der schon in den einleitenden Zymbalklängen der „Drei Zigeuner“ den Rahmen improvisatorischen Rubato-Spiels abzustecken wusste und hernach einfühlsam jede sanfte rhythmische Rückung der Singstimme mittrug.
Wie verabschiedet man sich nach einem dermaßen sinnreich gerundeten Programm? Elisabeth Kulman erinnerte an ihr Salzburger Festspieldebüt und sang Glucks Orpheus-Arie, die, richtig verstanden wie diesmal, die schmerzhafteste Dur-Kantilene der Musikgeschichte enthält. Danach gab es zwei doch wieder ironisierende Liszt-Vignetten und Schuberts „Nacht und Träume“ zum Beschluss: „Heilige Nacht“ …

Wilhelm Sinkovicz, Die Presse, 9.8.2015

 

Liebesfreud und Liebesleid

Elisabeth Kulman und ihr Klavierbegleiter Eduard Kutrowatz servierten im Haus für Mozart, an Stelle der verhinderten Elína Garanca, einen vielschichtigen Festspielliederabend von großer Ernsthaftigkeit und Gestaltungskraft.
Elisabeth Kulman ist eine Liedersängerin par excellence, das stellte sie am Freitag (7.8.) facettenreich unter Beweis. Die Zuhörer folgten konzentriert ihrem Vortrag und feierten sie am Ende mit begeisterter Zustimmung. Kulman ist unkonventionell in jeder Hinsicht. Das zeigte schon die äußere Form. Sie stand nicht vor dem Flügel, sondern im Zentrum der Bühne, während Pianist und Klavier zu ihrer Linken, also vom Zuschauerraum aus rechts, postiert waren. Die Liedauswahl war sehr textbezogen abgestimmt und Sängerin und Pianist ließen die Lieder fast nahtlos ohne Zäsuren ineinander übergehen, was einen Bogen von großer Dichte spannte.
Es ging vor allem um die Liebe in ihren vielfältigen Facetten, vom Hochgefühl sehnsüchtigen und zärtlichen Liebesempfindens in einem großen Decrescendo hin zu Schmerzen, Eifersucht und Tod.
Sieben ausgewählte Lieder von Franz Liszt formten die erste Programmgruppe, darunter ein englisches, ein französisches Lied und Liszts einzige Liedvertonung in russischer Sprache. Ungarisches Kolorit blitzte auf zum Auftakt in der Lenau-Vertonung „Die drei Zigeuner“, die das Leben verschlafen, verrauchen, vergeigen und dreimal verachten. Elisabeth Kulman ließ sie mit blühendem Stimmeinsatz zum Minidrama werden. Da war auch quasi die Schauspielerin Kulman mit von der Partie – wie sie überhaupt so manchem Lied mit dezenten Gesten, fein dosiert, szenische Anschaulichkeit verabreichte.
Der Ballade vom König von Thule und der Heine-Bitternis „Vergiftet sind meine Lieder“ näherte sich Kulman mit dramatischer Attacke. Liszts Klaviersatz ist für Pianisten Herausforderung ebenso wie Chance zum bravourösen Brillieren. Eduard Kutrowatz als Liszt-Kenner nützte die Chance, seinem Spiel Profil zu verleihen und gleichzeitig die Sängerin auf ausgeprägtem Klangteppich zu betten. Die Korrespondenz zwischen Pianist und Sängerin wirkte gut abgestimmt in partnerschaftlichem Miteinander. Aus Richard Wagners Wesendonck-Liedern folgten „Im Treibhaus“, „Schmerzen“ und „Träume“, erstes und letzteres mit Tristan-Vorgeschmack. Die originale Klavierfassung erlaubte einen innigeren Stimmeinsatz als die Orchesterversion. Kulmans subtiler Gefühlsausdruck und ihre tonmalerische Klangpalette machten „Sag, welch wunderbare Träume“ zu einem Höhepunkt.
In eine Auswahl aus Schumanns „Frauenliebe und -leben“ integrierte sie die Liszt-Gesänge „Es muss ein Wunderbares sein“ und „Ich liebe Dich“ sowie Franz Schuberts „Wiegenlied“ . Damit nahm sozusagen ihr eigener Zyklus individuelle Gestalt an. Die Nachtseite der Liebe repräsentierte die abschließende Schubert-Gruppe mit „Nachtstück“,, „Der Tod und das Mädchen“, „Der Geistertanz“ und „Der Zwerg“. Geradezu makaber ist die Ballade vom eifersüchtigen Zwerg, der der geliebten Königin den Tod gibt und sie tief ins Meer senkt, ihm jedoch „nach ihr das Herz brennt so voll Verlangen“. „Was passt als Zugabe auf den Zwerg?“, fragte Kulman ins Auditorium. Nun, sie antwortete mit der deutsch gesungenen Klage des Orpheus „Ach ich habe sie verloren“ und sie verabschiedete sich schließlich mit Schuberts „Nacht und Träume“, zaubrisch filigran gesungen.
Kulman fand mit ihrem warmen Mezzo eine Vielfalt an Schattierungen, dynamischen Abstufungen und Zwischentönen vom hauchzarten Pianissimo, das manchmal fast an die Grenze des Tonlosen ging, bis zum üppigen Vollklang der Stimme in opernhafter Dramatik. Als Liedersängerin ist Kulman ein Juwel. Freilich wird man die Opern-Darstellerin auf der Opernbühne in ihren repräsentativen Rollen nach ihrem Entschluss, für die Bühne nicht mehr zur Verfügung zu stehen, vermissen.

Elisabeth Aumiller, DrehPunktKultur, 8.8.2015

 

Von Liebe zu singen ist ein unermessliches Feld

Elisabeth Kulman gab einen Festspiel-Liederabend und zeigte sich in bester stimmlicher Verfassung.
Mag schon sein, dass man enttäuscht ist, wenn man einen Star mit großem Namen bucht und dieser dann absagt. Der Grund für Elena Garanca war diesfalls sehr persönlich und tragisch, und überall zollte man ihr dafür auch den gebührenden Respekt. Dass man es als „Einspringer“ dann vielleicht doch nicht so leicht hat, liegt auf der Hand. Aber Elisabeth Kulman wusste am Freitag gemeinsam mit ihrem nobel zurückhaltenden Klavierbegleiter Eduard Kutrowatz Bedenken gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Die Mezzosopranistin hatte kürzlich aufhorchen lassen, als sie sich entschloss, dem Opernbetrieb den Rücken zu kehren. Als Kämpferin für bessere Rechte und Arbeitsbedingungen der Künstlerkollegen ist sie eine Galionsfigur, die sich auch nicht scheute, sich mit so Großen wie dem ehemaligen Intendanten der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, anzulegen. Darüber mochte vielleicht ins Hintertreffen geraten, dass sie eine höchst individuelle, eigenwillige Stimmpersönlichkeit ist. Gut also, dass das mit diesem Liederabend nachhaltig in Erinnerung gerufen wurde.
Ihr knappes, aber höchst intensives Programm umkreiste die unendlichen Facetten der Liebe, zärtlich und bitter, schwärmerisch und spitz, melancholisch und dramatisch, in Beispielen, die – vielleicht mit Ausnahme des Wiegenlieds und „Der Tod und das Mädchen“ von Schubert – rare Kostbarkeiten eines nicht gängigen Repertoires sind.
Dazu zählen besonders die vielfach spröden, in Melodieführung und pianistischen Klangexpressionismen kühn und modern anmutenden Lieder von Franz Liszt, von dem Lyrikvertonungen in sechs Sprachen vorliegen. In vier dieser Sprachen sang Elisabeth Kulman sozusagen mit polyglotter Zunge und hoch differenziertem Ausdruck, die das „Bühnentier“ in ihr weckten, ohne dass sie, mit Ausnahme des effektvollen Auftritts zu den „Drei Zigeunern“, Zuflucht zu Äußerlichkeiten nehmen müsste.
Dafür hat sie nämlich stimmliche Möglichkeiten in großer Fülle: allerzärtlichstes In-Sich-Sein bei Schuberts „Schlafe, holder, süßer Knabe“, schwärmerische Inbrunst (in drei der Wesendonck-Lieder von Liszts Schwiegersohn Richard Wagner), feine ironische Untertöne (in den Doppeldeutigkeiten von Heine-Vertonungen) bis hin zu balladesken und dramatischen Ausbrüchen (besonders in den Schubert’schen „Dialogszenen“ wie dem das Programm beschließenden „Zwerg“).
Die Farbpalette ihres Mezzosoprans ist von samtiger, wie Rubinrot funkelnder und dabei herrlich geschmeidiger Höhe bis zu profund „gesungener“ und nicht bloß rezitativisch überformter Tiefe außerordentlich, jede Lage ist ausgeglichen und von ebenmäßiger, unangestrengter Leuchtkraft, die Register werden bruchlos verblendet, was der Geschlossenheit und präzisen Ausdruckskraft des Vortrags beste Dienste erweist.
Das Programm folgte zudem klaren dramaturgischen Linien, was auch heißt, dass Elisabeth Kulman sich aus Zyklen wie Schumanns „Frauenliebe und -leben“ einzelne Nummern herausholt, die sie für den stringenten Zusammenhalt ihres eigenen Ganzen braucht. Bis in die Zugaben hinein ist das Programm gestaltet auf logisch natürliche Art, die zu Recht Begeisterung im Auditorium hervorrief. Ein spannendes und intelligentes Lied-Plädoyer abseits des Mainstreams.

Karl Harb, Salzburger Nachrichten, 10.8.2015

 

Im holden Garten der Lieder

Die Mezzosopranistin präsentierte mit Pianist Eduard Kutrowatz Literatur von Liszt, Schubert, Schumann u. a.. Im April verblüffte Elisabeth Kulman Fans und Intendanten mit der Erklärung, nicht mehr für Opernproduktionen zur Verfügung zu stehen. Keine Probenhöllen, keine ewig gleichen Carmens, Frickas und Orlofskys mehr. Nur Monate später steht die 42-Jährige schon als Interpretin eines Liederabends auf der Bühne des Hauses für Mozart. Der Grund ist allerdings ein trauriger: Die Mezzosopranistin springt für Elina Garanca ein, die ihrer schwerkranken Mutter beisteht.
Im Mittelpunkt des Programms steht Franz Liszt – eine erklärliche Wahl: Sowohl Kulman als auch ihr pianistischer Partner, Eduard Kutrowatz, erblickten in der Nähe von Liszts Geburtsort Raiding das Licht der Welt. Mit sieben Liszt-Liedern in vier Sprachen und mindestens ebenso vielen emotionalen Verfasstheiten wird eröffnet, bezaubernd das federleichte Go Not, Happy Day nach einem Gedicht von Tennyson.

Im Ziergarten des Liedgesangs
Kulman singt vom ersten Ton an mit einem vollkommen runden, weich-glänzenden Timbre – auch im zartesten Pianissimo. Äußerst delikat und behutsam agiert Kutrowatz auch bei drei der Wesendonck-Lieder des großen Überwältigers Richard Wagner: Im Treibhaus, Schmerzen und Träume. Zurückhaltung ist die interpretatorische Maxime, eine fast mädchenhafte Ebenmäßigkeit scheint Kulman als Klangideal vorzuschweben. Schön, aber auch schade: Wieso sich im Ziergarten des Liedgesangs noch zusätzlich beschneiden? Gut, dass Kulmans natürlich-lebendige Art des erzählenden Singens einer drohenden biedermeierhaften Stickbild-Abendstimmung entgegenwirkt.
Nach der Pause wird Liszt mit Schubert und Schumann kombiniert, thematisch verdüstert sich das Ganze in Richtung Nacht und Tod. Gern hätten die beiden Musiker die Konzertteile als dramaturgische Einheiten präsentiert – es bleibt ihnen aufgrund der Zugabenwünsche verwehrt.

Stefan Ender, Der Standard, 9.8.2015

 

Kulman in Salzburg: Die wahre Lied-Kunst

Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz gestalteten im sogenannten „Haus für Mozart“ einen hinreißenden Liederabend, der einer Ehrenrettung Franz Liszts gleichkam.
Die beiden Künstler setzen sich seit Jahren für die Musik des völlig falsch bewerteten Romantikers ein – und konnten dies nun, einspringenderweise an Stelle von Elina Garanca – sozusagen auf höchster Ebene tun. Zwar wollte das Salzburger Publikum die ganz offensichtliche Dramaturgie von zwei pausenlos ablaufenden Sinn-Einheiten nicht mittragen und applaudierte begeistert mitten in die inhaltlich klug verschränkten Lied-Gedankenblöcke. Aber die Kunst der Kulman, endlose, fast unhörbare, doch stets konsistente Pianissimo-Phrasen zu modellieren, fordert die anerkennende Begeisterung ja tatsächlich heraus: Dass nach Schuberts „Wiegenlied“ und der darauf folgenden spontanen Unterbrechung der Faden sogleich wieder aufgenommen war, sprach andererseits wieder für die Konzentrationsfähigkeit der Zuhörer; von jener der Künstler ganz zu schweigen.
Liszt-Lieder in verschiedenen Sprachen standen im ersten Teil des Abends dreien von Wagners Wesendonck-Liedern gegenüber, „Tristan“-Studien, die – das war die musikhistorische Komponente des Programms – quasi nahtlos aus Liszts kühnen harmonischen Funden herauszuwachsen scheinen.
Nach der Pause dann Ausschnitte aus Schumanns „Frauenliebe- und Leben“, verschränkt mit einem Stück aus den Kinderszenen und wiederum Liszt sowie – zuletzt – Schubert. Romantik in dreierlei Gestalt, Liebessehnsucht, Todes-Beschwörungen gespenstischer („Geistertanz“), dramatisch-abgründiger („Der Zwerg“) und metaphysischer Art („Der Tod und das Mädchen“). Die Wandlungsfähigkeit der Kulman ist faszinierend: Rede und Gegenrede setzt sie farbenreich voneinander ab, Gefühlsausbrüche bringt sie – introviertiert wie extrovertiert – anrührend zum Klingen; und doch hat ihre Lied-Kunst bei aller Differenzierungskunst nichts Artifizielles, sondern wirkt natürlich und schlicht wie übrigens auch das Klavierspiel von Eduard Kutrowatz, der schon in den einleitenden Zymbalklängen der „Drei Zigeuner“ den Rahmen improvisatorischen Rubato-Spiels abzustecken wusste und hernach einfühlsam jede sanfte rhythmische Rückung der Singstimme mittrug.
Wie verabschiedet man sich nach einem dermaßen sinnreich gerundeten Programm? Elisabeth Kulman erinnerte an ihr Salzburger Festspieldebüt und sang Glucks Orpheus-Arie, die, richtig verstanden wie diesmal, die schmerzhafteste Dur-Kantilene der Musikgeschichte enthält. Danach gab es zwei doch wieder ironisierende Liszt-Vignetten und Schuberts „Nacht und Träume“ zum Beschluss: „Heilige Nacht“ …

Wilhelm Sinkovicz, Die Presse (Sinkothek-Live), 7.8.2015, 21:54 Uhr (Nachtkritik)

 

A music drama for voice and piano

Only an artist so gifted in thespian adroitness could catalyze and animate a programme of such unconventional structure.
The sequence of works, on initial viewing, appears almost capricious, juxtaposing excerpts from song cycles such as Schumann’s Frauenliebe und -leben between items by Liszt and Schubert, adding Schumann’s Glückes genug (Nr. 5 Kinderszenen, opus 15) as a piano solo between Ich kann’s nicht fassen, nicht glauben (Frauenliebe und -leben Nr. 3) and Süßer Freund, du blickest, and An meinem Herzen, an meiner Brust (Frauenliebe und -leben Nr. 5 and 6), while following a block of Liszt (which included Die drei Zigeuner S 320, Go not happy day S 335, Es war ein König in Thule S 278and Vergiftet sind meine Lieder S 289) with three of Wagner’s Wesendonck Lieder.
Subsequently it becomes apparent that this programme is a cleverly interlaced music drama for voice and piano.
The common denominator is love in its multifarious designs and consequences – in part drawn from biographical aspects of the selected composers’ lives – and constructed into a brilliant one-woman dramaturgy in which not simply words and mood, but tempi and tonality – are interlinked or separated by design (alas interrupted on a couple of occasions by – understandably – spontaneous applause).
Elisabeth Kulman is a singer gifted not only with a fine instrument and superb technique, but with rare dramatic instinct for a chosen gesture or pose to compliment a vocal colour or nuance – all complimented by an air of modesty which bows graciously to her art. Her rendition of Schubert’s Der Zwerg, which ended the complex and testing programme of over twenty Lieder, alone places her high in the ranks of great recitalists, past and present.
Naturally, the programme was a product of partnership – in this case with pianist Eduard Kutrowatz, artistically attune with the singer’s many facets and in sublime harmony throughout the programme.
Initial attempts at standing ovations were thwarted by three encores which included a monumental Ach, ich habe sie verloren (Gluck’s Orfeo ed Euridice).
„To reveal art and conceal the artist is art’s aim.“ (Oscar Wilde)

Text © Moore Parker

 

SALZBURG/ Haus für Mozart: LIEDERABEND ELISABETH KULMAN

Salzburg/Festspiele: Kurzbericht Liederabend Elisabeth Kulman am 7. August 2015
Gestern Abend bezauberte die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman an der Stelle von Elina Garanca das Publikum im bis auf wenige Plätze voll besetzten Haus für Mozart. Im ersten Teil sang sie eine Reihe von Liedern von Franz Liszt, darunter „Die drei Zigeuner“ und „Es war ein König in Thule“, sowie drei der Wesendonck-Lieder, „Im Treibhaus“, „Schmerzen“ und „Träume“. Man fühlte sich mit der perfekten Tongebung ihres klangvollen und facettenreichen Mezzos und der hervorragenden Begleitung durch Eduard Kutrowatz am Steinway-Flügel tief in die Stimmung von Wagners Musikdrama „Tristan und Isolde“ versetzt.
Nach der Pause folgten zwei weitere Lieder von Franz Liszt, „Es muss ein Wunderbares sein“ und „Ich liebe Dich“. Der Rest des Abends war Robert Schumann und Franz Schubert gewidmet. Von Robert Schumann sang Elisabeth Kulman einige Lieder aus „Frauenliebe- und leben“. Szenenapplaus rief ihr mit feinstem piano gesungenes Wiegenlied von Franz Schubert, welches, wenn man vom Applaus her urteilen möchte, wohl der Höhepunkt des Abends wurde. Daneben ragten an ihrer stimmlich eindrucksvollen Charakterisierung die beiden Lieder „Nachtstück“ und „Der Tod und das Mädchen“ hervor. Den dramatischen Abschluss bildete „Der Zwerg“ von Franz Schubert. Obwohl sie meinte, dass es nach dem „Zwerg“ schwierig sei, noch eine passende Zugabe zu finden, gab Frau Kulman dem Begeisterten Publikum derer noch drei. Anschließend gab sie noch eine Autogrammstunde im Foyer.

Klaus Billand aus Salzburg, 8.8. 2015 11:19
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Festival junger Künstler Bayreuth 2015

Pulsierende Kontakte

Viel Beifall für das Klavierduo Eduard und Johannes Kutrowatz im Zentrum
„Wenn Orpheus auf dem Programm steht“, sagt Gerhard Krammer (erst deutsch, dann englisch), „dann bedeutet das Klage – und Liebe und Tränen.“ „Orpheus“, die göttliche inspirierte Musik. In diesem Fall ist „Orpheus“, sehr konkret, eine Tondichtung von Franz Liszt. 2011 konnte man sie in ihrer orchestralen Erstfassung auch in Bayreuth hören, als wenige Zuhörer ein Konzert des Deutsch-französischen Forums junger Kunst besuchten. Auch eine nicht von Liszt selbst erstellte Fassung für zwei Klaviere war damals unter den 457 Werken des Bayreuther Liszt-Jahres zu hören. Nun haben sich mindestens so viel Zuhörer wie damals in der Stadthalle versammelt, um im gleichsam ausverkauften Europasaal des Zentrums Liszts originale Klavierfassung zu hören – und wieder haben die Gebrüder Eduard und Johannes Kutrowatz, rhetorisch begleitet vom Komponisten Gerhard Krammer, ihren Auftritt in Bayreuth, um die bayreuthisch-burgenländische Freund- und Kulturpartnerschaft im Geist der Musik und des göttlichen Musikers zu befestigen. Freier Eintritt, auch das zieht, es ist sehr gut so – denn Liszts Werke können gar nicht genug unters sogenannte Volk gebracht werden.
Ist Liszt auch ein Repräsentant des Burgenlandes und der grenzüberschreitenden Musik, so sind’s die beiden Brüder erst recht: Ihr Programm reicht von Liszt über E. Kutrowatz zu Dave Brubeck, mag auch ihre vierhändige „Orpheus“-Interpretation sehr „martellato“ klingen: im Zeichen hart angeschlagener Töne. Wie entspannt sie jenseits hymnisch-strenger .,Orpheus“-Gesänge agieren können, zeigen sie in ihren originalen und in ihren Bearbeitungswerken: „In ROT“, ein „Dialog für zwei Klaviere nach kroatischen und ungarischen Themen“, kommt, als siebensätzige Suite, mit jenen Kontrasten daher, die auch Liszts Werk so spannend machen. Volksmusik wird als Bebop gebracht, Bartók stößt auf Thelonious Monk, einfaches Material wird raffiniert verarbeitet, ein Blues geht unmerklich in einen Choral über, „Weltliches“ und „Geistliches“ geraten, wie bei Liszt, in pulsierenden Kontakt. War Liszt der Paraphrasen-Meister des 19. Jahrhunderts, so paraphrasieren die Brüder Kutrowatz ihrerseits in einer fünfsätzigen Suite ein paar Klavierstücke und Lieder des Meisters: Wo bei Liszt nächtliche „Frage und Antwort“ einhändig formuliert wunden, können sich der Frager und der Antworter nun ins Gesicht schauen. Zum Vergnügen der Zuhörer, die einen traumhaft kühlen Traum wie jene Läufe, die selbst der hartgesottenste Ä-Musikkritiker nur als „perlend“ bezeichnen kann, umstandslos genießen können.
Das fulminante Finale aber wird von einem heftigen „Blue Rondo a la Turk“ dominiert. So trifft der Jazz Dave Brubecks auf das „Laufwerk“ eines Bruderpaares, das sich die westeuropäische und US-amerikanische Musik der alten und der modernen Klassik unter die Finger bringt. Riesenapplaus für einen spannenden Abend, der sehr elegant zwischen Liszt und Lust, dem 19. Jahrhundert und der Gegenwart, einem Bayreuther Tonheroen und der populären Musik des westlichen Balkans vermittelt hat. Orpheus, das sind eben nicht immer Tränen, auf jeden Fall aber ist er Liebe: Liebe zu einer Geliebten, die den Liebhaber nie verlassen kann.

Frank Piontek, Nordbayerischer Kurier, 6.8.2015